Lübeck, die alte Hansestadt an der Trave, ist wesentlich mehr als ein Museumsensemble backsteinerner Schönheit kulturtreibhaus.org. Die sieben Türme der Altstadtinsel berichten von einer tiefgreifenden religiösen Prägung, die noch heute das Kulturleben der Stadt durchdringt. Wer durch die engen Gassen streift, merkt sofort, wie eng Glaube, Kunst und Gemeinschaft hier ineinandergreifen. Das Zukunftforum Kultur für Lübeck nimmt genau dieses Zusammenspiel auf und schafft Räume, in denen religiöse Traditionen und moderne kulturelle Ausdrucksformen begegnen. Dieser Artikel möchte dazu einladen, die geistlichen und kulturellen Schätze der Stadt aus neuer Sicht zu entdecken. Er bietet einen fundierten Leitfaden für alle, die begreifen möchten, wie aus jahrhundertealten Ritualen lebendige Gemeinschaft erwächst. Ob Sie als Besucherin die Stille der Backsteinkathedralen suchen oder als Anwohner aktiv an interkulturellen Projekten teilnehmen möchten – hier finden Sie konkrete Einblicke, praktische Hinweise und inspirierende Geschichten, die verdeutlichen, wieso Lübeck ein außergewöhnliches Labor für religiös grundierte Kulturarbeit ist.
Besichtigungen und Wege der Spiritualität: Ein Leitfaden für Entdecker
Lübeck ist auf verschiedene Weisen auf spirituelle Weise erleben, und das Sortiment an kompetenten Rundgängen ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen. Wer die Stadt nicht bloß als Bühne, sondern als spirituellen Erfahrungsraum erleben möchte, trifft auf viele thematische Touren, die deutlich über die üblichen touristischen Pfade hinausgehen. Das Zukunftforum Kultur legt nahe besonders die „Wege der Stille“, eine Zusammenarbeit mehrerer Kirchengemeinden, die Besucherinnen und Besucher zu Plätzen der inneren Ruhe führt. Dabei handelt es sich nicht über kunsthistorische Angaben, sondern um die eigene Wahrnehmung: Wie wandelt sich der Sound der Schritte auf mittelalterlichen Backsteinen? Welche Gedanken löst das Schein, das durch die bunten Fenster hereinbricht? Solche sensorischen Erlebnisse werden durch knappe Impulstexte und Meditationsmusik bereichert, bleiben jedoch jederzeit frei von dogmatischer Unterweisung. Das Modell spricht ausdrücklich auch an Leute, die keiner Glaubensgemeinschaft verbunden sind, aber eine Sehnsucht nach Besinnung und Kontemplation fühlen.
Für kulturhistorisch Interessierte bieten sich die klassischen Kirchenführungen an, die von den entsprechenden Gemeinden und der Lübecker Stadtführer-Gilde durchgeführt werden. Hier liegen Architektur, Kunstschätze und die bewegte Geschichte der Gotteshäuser im Fokus. Besonders ratsam ist die Kombination aus Domführung und Besuch des Dommuseums, wo liturgische Geräte, Paramente und die berühmte Triumphkreuzgruppe im Original zu sehen sind. Einen ganz anderen Zugang ermöglichen die neu konzipierten „Pilgerwege im Stadtraum“. Auf markierten Routen, die an den mittelalterlichen Jakobsweg anknüpfen, vermögen Einzelgänger und kleine Gruppen die Stadt zu Fuß durchqueren. Unterwegs fordern Stationen mit Zitaten von Mystikerinnen und Mystikern zum Innehalten auf. Diese Wege verbinden die physische Bewegung mit einer inneren Reise und machen den spirituellen Reichtum der Stadt auf eine sehr unmittelbare, körperliche Weise erfahrbar.
Praktische Tipps für Ihre eigene Erkundung
Wer auf eigene Faust losziehen möchte, sollte einige praktische Hinweise beachten, um die spirituellen und kulturellen Schätze Lübecks optimal zu erleben. Die meisten Kirchen sind tagsüber geöffnet, doch die genauen Besichtigungszeiten variieren je nach Gemeinde und Jahreszeit. Es empfiehlt sich, vorab einen Blick auf die Websites der Kirchengemeinden oder die zentrale Plattform des Kirchenkreises zu werfen. Dort finden sich auch Hinweise auf Sonderführungen, etwa die beliebten Nachtführungen in St. Marien oder die Turmbesteigungen von St. Petri, die bei klarem Wetter einen unvergesslichen Panoramablick bieten. Für den Besuch von Konzerten und Veranstaltungen ist eine frühzeitige Reservierung ratsam, da die Plätze in den historischen Kirchen oft begrenzt sind. Wer die Stille sucht, sollte die frühen Morgenstunden oder die späten Nachmittagsstunden unter der Woche wählen, wenn die großen Besucherströme abgeebbt sind. Ein kleiner Reiseführer mit spirituellen Impulsen ist in der Tourist-Information und im Domladen erhältlich und bietet auch für erfahrene Lübeck-Kenner überraschende Perspektiven.
Interreligiöses Miteinander und Gemeinschaftsinitiativen
In einer Stadt, deren Geschichte von Handel und Austausch geprägt ist, liegt der interreligiöse Dialog beinahe in der Luft. Das Zukunftforum Kultur hat in den zurückliegenden Jahren bewusst Formate entwickelt, die Begegnungen zwischen Christen, Juden, Muslimen und Menschen ohne religiöses Bekenntnis schaffen. Ein Vorzeigeprojekt ist die jährliche „Nacht der offenen Gotteshäuser“, bei der Synagoge, Moscheen und Kirchen gleichzeitig ihre Türen öffnen. Besucherinnen und Besucher können nicht bloß die Räume erkunden, sondern kommen bei Führungen, Teezeremonien und Podiumsgesprächen unbeschwert miteinander ins Gespräch. Diese Veranstaltung ist gezielt niedrigschwellig angelegt und verzichtet auf lange Vorträge; stattdessen stehen persönliche Begegnung und das gemeinsame Erleben von Musik, Kalligrafie oder kulinarischen Spezialitäten im Vordergrund. Der Erfolg gibt dem Konzept Recht: Jahr für Jahr steigen die Besucherzahlen, und aus einmaligen Kontakten entstehen dauerhafte Kooperationen.
Ein weiteres wichtiges Feld ist die gemeinsame Sozialarbeit. Unter dem Dach der Lübecker Tafel oder der ökumenischen Bahnhofsmission engagieren sich Ehrenamtliche aller Konfessionen und auch konfessionslose Helfer Seite an Seite. Diese Praxis der gelebten Solidarität überwindet theologische Differenzen nicht durch Diskussion, sondern durch gemeinsames Handeln. Das Zukunftforum Kultur begleitet solche Initiativen dokumentarisch und stellt sie in den Kontext einer größeren Erzählung: der Stadt als solidarischer Gemeinschaft, in der religiöse Wurzeln zu einem Motor bürgerschaftlichen Engagements werden. Besonders spannend sind Projekte mit Jugendlichen, etwa das interreligiöse Friedenscamp, das in den Sommerferien stattfindet. Hier erarbeiten muslimische, christliche und jüdische Jugendliche gemeinsam eine Performance oder eine Ausstellung zu Themen wie Gerechtigkeit oder Heimat. Die entstehenden Werke werden anschließend in wechselnden Gemeindehäusern gezeigt und laden das Publikum ein, eigene Vorurteile zu hinterfragen.
Musikalische Veranstaltungen im kirchlichen Raum
Die Kirchengebäude Lübecks sind längst zu den vielleicht ungewöhnlichsten und gleichzeitig stimmungsvollsten Aufführungsorten der Stadt entwickelt. Das Spektrum der Veranstaltungen reicht von herausragenden klassischen Konzerten bis hin zu Theateraufführungen und Lesungen und Podiumsdiskussionen. Die Marienkirche etwa wird während des Schleswig-Holstein Musik Festivals zu einem Konzertsaal von internationaler Bedeutung, wo Orchester und Ensembles aus aller Welt gastieren. Der besondere Klang der gotischen Hallenkirchen verleiht jedem Ton eine nahezu überirdische Präsenz und macht aus selbst vertraute Werke zu einem neuen Hörerlebnis. Doch nicht nur das Hochkulturelle kommt hier zur Geltung: Regelmäßig sind auch zu erleben Chöre aus der Region, Schulorchester und freie Theatergruppen , die die Sakralräume mit neuen Formaten füllen. Diese Verbindung aus Weltklasse und lokaler Verwurzelung bildet ein Markenzeichen der Lübecker Kulturszene und findet vom Zukunftforum Kultur explizit gefördert.
Ein besonders reizvolles Feld ist die aktuelle Kunst im Kirchenraum. Immer wieder laden Gemeinden Künstlerinnen und Künstler ein, Installationen zu schaffen, die sich mit dem Ort und seiner spirituellen Aura befassen. So entstanden in der Petrikirche bereits begehbare Lichtskulpturen, die den gesamten Kirchenraum in ein Farbenmeer verwandelten, oder Videoarbeiten, die biblische Motive in die Bildsprache des 21. Jahrhunderts transferierten. Diese temporären Interventionen locken ein Publikum an, das sonst vielleicht nie eine Kirche betreten würde, und provozieren zu intensiven Gesprächen über Glauben, Kunst und Gesellschaft an. Auch die jährliche Lübecker Museumsnacht bindet die Kirchen mit ein und erzeugt so einen Parcours, der sakrale und profane Kulturorte miteinander verknüpft. Das Zukunftforum Kultur dokumentiert diese Projekte und platziert sie in einen größeren Diskurs über die Zukunft sakraler Räume in einer zunehmend säkularisierten Gesellschaft.
Aufführungen und Orgelmusik als Brückenbauer
Die Orgelmusik hat in Lübeck eine Ausnahmestellung ein, die weit über das rein Musikalische hinausreicht. Mit Instrumenten aus verschiedenen Epochen – von der barocken Totentanzorgel in St. Marien über die romantische Kemper-Orgel in St. Jakobi bis zur modernen Orgel im Dom – verfügt die Stadt über ein vitales Klangarchiv der Orgelbaugeschichte. Die regelmäßigen Orgelkonzerte und die sommerliche Reihe „Orgelpunkt“ ziehen ein Publikum an, das die meditative Kraft dieser Klänge begehrt, ohne zwingend einen Gottesdienst besuchen zu wollen. Viele Kantoren stellen zudem kurze Einführungen an, die die Funktionsweise der Instrumente erläutern und die gespielten Werke in ihren geistlichen Kontext stellen. So werden die Konzerte zu Bildungsereignissen, die musikalisches Fachwissen und spirituelle Erfahrung auf organische Weise verbinden. Für Kinder und Familien gibt es spezielle „Orgelentdecker“-Programme, bei denen die jungen Zuhörer die Königin der Instrumente sogar selbst testen dürfen.
UNESCO-Welterbestätte und sakrale Baukunst
Die Erhebung der Lübecker Altstadt in die UNESCO-Welterbeliste im Jahr 1987 würdigte nicht allein die herausragende Profanarchitektur, sondern maßgeblich auch die sakralen Gebäude als Zentrum des mittelalterlichen Stadtgefüges. Die sieben Türme von St. Marien, St. Petri, St. Jakobi, dem Dom und St. Aegidien sind das weithin erkennbare Markenzeichen der Stadt und zugleich ein steinernes Glaubenszeugnis von europäischem Rang. Die Backsteingotik, die hier ihre Vollendung fand, war richtungsweisend für den Kirchenbau im gesamten Ostseeraum und prägte Städte von Wismar bis Tallinn. Wer die Kirchen genau betrachtet, erblickt eine Vielzahl von Details, die von der Frömmigkeit, aber auch vom Selbstbewusstsein der hansischen Kaufleute zeugen: filigrane Sterngewölbe, reich verzierte Portale und die für Lübeck charakteristischen, schlanken Strebepfeiler, die den Baukörper strukturieren. Der Welterbestatus fordert die Stadt, diese Bauten nicht nur zu erhalten, sondern sie auch der Öffentlichkeit auf eine Form zugänglich zu machen, die ihre Bedeutung transportiert.
Die Herausforderung besteht darin, den Denkmalschutz mit den Erfordernissen einer lebendigen Verwendung in Einklang zu bringen. Eine Kirche, die nur noch Museum ist, büßt ein ihre Seele; eine Kirche, die ausschließlich auf die gottesdienstliche Nutzung vertraut, schöpft ihr Potenzial als öffentlicher Raum nicht aus. Das Zukunftforum Kultur begleitet diesen Balanceakt mit hoher Aufmerksamkeit und holt Denkmalpfleger, Theologen, Künstler und Stadtplaner an einen Tisch. Ein erfolgreiches Beispiel ist die jüngste Sanierung des Domkreuzgangs, bei der ein moderner Anbau für museumspädagogische Arbeit entstand, ohne das historische Ensemble zu stören. Solche Projekte zeigen, dass Welterbe kein statischer Zustand ist, sondern ein dynamischer Prozess, der stets aufs Neue neu ausgehandelt werden muss. Sie machen klar, dass die sakrale Baukunst Lübecks nicht nur der Vergangenheit zugehört, sondern eine lebendige Ressource für die Stadtgesellschaft von morgen ist.
Freiwilligenarbeit und Mitarbeit: Auf welche Weise Sie Bestandteil der Gemeinschaft werden
Die religiöse und kulturell geprägte Gemeinschaft Lübecks funktioniert vom Mitwirken vieler Freiwilliger, die ihre Stunden und ihre Begabungen einbringen. Ohne die vielen Ehrenamtlichen hätten viele der beschriebenen Angebote schlichtweg nicht umsetzbar. Die Kirchengemeinden, aber auch das Zukunftforum Kultur, stellen bereit eine Fülle von Gelegenheiten, sich aktiv zu beteiligen – und das ungeachtet von der eigenen Konfession oder Weltanschauung. Wer gerne mit Menschen tätig ist, kann sich im Besuchsdienst betätigen, seniore Gemeindemitglieder zu Aktivitäten begleiten oder bei der Organisierung des Kirchencafés unterstützen. Technisch Interessierte werden in den Teams gebraucht, die sich um die aufwendige Licht- und Tontechnik bei Darbietungen und Ausstellungen verantworten. Und wer über manuelles Geschick besitzt, findet bei der Betreuung der historischen Bausubstanz oder der Grünanlagen rund um die Kirchen ein dankbares Betätigungsfeld. Die Aufgabengebiete sind so vielfältig wie die Stadt selbst.
Ein außergewöhnlich erfüllendes Engagementfeld ist die kulturelle Vermittlung. Viele Kirchengemeinden suchen Menschen, die Freude daran verspüren, Gästen die Vergangenheit und die religiöse Bedeutung der Gotteshäuser zu erklären. Eine solide Einarbeitung und wiederkehrende Fortbildungen sind dabei obligatorisch. Das Zukunftforum Kultur hat in Kooperation mit der Volkshochschule einen eigenen Qualifizierungskurs für „Kulturlotsen“ entwickelt, der kunstbezogenes Wissen mit sprachlichen Fähigkeiten und kulturübergreifender Kompetenz vereint. Absolventinnen und Absolventen dieses Kurses führen nicht nur Touristengruppen, sondern begleiten auch Schulklassen und organisieren Workshops, in denen die Mitwirkenden selbst kreativ werden. Wer sich für ein dieses Ehrenamt entscheidet, erhält nicht nur umfassende Einblicke in die Lübecker Kulturgeschichte, sondern ist Teil einer aktiven Gemeinschaft, in der Kontakte über Generations- und Konfessionsgrenzen hinweg sich entwickeln.
Die religiöse und kulturelle Vielfalt Lübecks
Das historische Zentrum ist seit 1987 UNESCO-Welterbe, doch ihr geistiges Fundament reicht viel weiter zurück. Bereits Mittelalter formten Bischofssitz, Klöster und die mächtige Kaufmannschaft eine Stadt, in der Frömmigkeit und Weltoffenheit keine Gegensätze waren. Heute spiegelt sich diese Geschichte in einer bemerkenswerten konfessionellen Vielfalt wider: evangelische Hauptkirchen, eine katholische Propstei, eine russisch-orthodoxe Gemeinde und eine aktive jüdische Gemeinschaft bestehen Seite an Seite. Hinzu kommen muslimische Gebetsräume und kleinere spirituelle Gruppen, die das Bild einer lebendigen religiösen Landschaft vervollständigen. Diese Pluralität ist kein Zufall, sondern Zeichen einer Hafenstadt, die über Jahrhunderte hinweg Menschen aus dem gesamten Ostseeraum anlockte. Das Zukunftforum Kultur versteht diese Vielfalt als Ressource und nicht als Trennlinie. Es initiiert Begegnungen, bei denen die unterschiedlichen Traditionen nicht nur nebeneinanderstehen, sondern aktiv voneinander lernen. So wird die Stadt selbst zu einem lebendigen Lehrbuch, in dem religiöse Motive in der Architektur, der Musik und den jahreszeitlichen Festen bis heute weiterwirken.
Wer die kulturelle Topografie Lübecks verstehen will, muss die religiösen Orte nicht als museale Inseln, sondern als aktive Knotenpunkte des städtischen Lebens auffassen. Die Marienkirche etwa ist nicht nur ein Meisterwerk der Backsteingotik, sondern auch eine Konzertbühne von Weltrang und ein Ort der Stille mitten im touristischen Trubel. Ähnliches trifft zu für den Dom, der mit seinen Kunstschätzen und dem angrenzenden Museumskomplex eine Brücke zwischen Glauben, Geschichte und zeitgenössischer Kunst schlägt. Diese Doppelfunktion durchzieht durch nahezu alle Sakralbauten der Stadt. Sie sind geistliche Heimat für die Kerngemeinden und zugleich öffentliche Räume, in denen Ausstellungen, Lesungen und Diskussionen abgehalten werden. Das Zukunftforum Kultur fördert diese Öffnung gezielt, indem es Formate konzipiert, die spirituelle Inhalte mit kultureller Bildung verknüpfen. So entstehen Angebote, die sowohl kirchenferne Menschen ansprechen als auch Gläubigen neue Zugänge zu ihrem eigenen Erbe eröffnen.
Brauchtümer und Traditionen im Kirchenjahr
Das gesellschaftliche Jahr in Lübeck wird von einem Rhythmus religiös verankerter Feste bestimmt, die über die Grenzen von die Kirchenmauern hinauswirken. Der Advent und die Weihnachtszeit spielen dabei eine besondere Stellung ein. Der Lübecker Weihnachtsmarkt, der sich mit seinen alten Buden zwischen Rathaus und Marienkirche erstreckt, ist einer der stimmungsvollsten in ganz Deutschland. Hier treffen zusammen handwerkliche Tradition, kulinarische Genüsse und ein vielfältiges Bühnenprogramm mit der unmittelbaren Präsenz der Kirche, in der täglich Adventsandachten und Krippenspiele gefeiert werden. Doch auch die weniger spektakulären Feste des Kirchenjahres gestalten das städtische Leben: die leisen Prozessionen in der Karwoche, die festlichen Osternachtsfeiern mit Osterfeuer im Domhof oder die ökumenischen Pfingstgottesdienste unter freiem Himmel auf dem Marktplatz. Diese Feiern sind nicht exklusiven Veranstaltungen für Kirchenmitglieder, sondern für alle zugängliche Einladungen, die den Zyklus des Jahres für alle erlebbar machen.
Neben den christlichen Festen gewinnen auch die Feiertage anderer Religionen zunehmend an Sichtbarkeit. Das jüdische Lichterfest Chanukka wird mit einer öffentlichen Menora-Zeremonie auf dem Koberg begangen, und zum muslimischen Fastenbrechen im Ramadan laden Moscheegemeinden regelmäßig Nachbarn und Interessierte zu einem gemeinsamen Iftar-Essen ein. Diese Öffnung ist ein wichtiger Schritt hin zu einer Stadtgesellschaft, die religiöse Vielfalt nicht nur toleriert, sondern aktiv feiert. Das Zukunftforum Kultur unterstützt diese Entwicklung, indem es einen interkulturellen Festkalender herausgibt und Begegnungsformate organisiert, die das gegenseitige Verständnis vertiefen. Besonders beliebt sind die gemeinsamen Kochabende, bei denen Teilnehmerinnen und Teilnehmer traditionelle Festgerichte aus ihren Herkunftskulturen zubereiten und dabei ins Gespräch kommen. So wird der Jahreskreis zu einem bunten Mosaik aus vertrauten und neuen Bräuchen, das die Gemeinschaft stärkt.
- Lübecks Weihnachtsmarkt (Ende November bis Silvester): Kunsthandwerk, Bühnenprogramm und tägliche Weihnachtsmusik in St. Marien.
- Osternachtfeiern mit Osterfeuer: Gemeinsame Gottesdienste im Dom und an der Trave, meistens mit anschließendem gemeinsamen Frühstück.
- Nacht der offenen Gotteshäuser (September): Synagoge, Moscheen und Gotteshäuser öffnen gleichzeitig ihre Türen für Begegnungen.
- Öffentliche Chanukka-Feier (Dezember): Entfachen der Menora auf dem Koberg mit Musik und jüdischen Spezialitäten.
- Ökumenisches Friedenscamp (Sommer): Jugendliche verschiedener Glaubensrichtungen verschiedener Religionen entwickeln gemeinsam kreative Vorhaben.
- Pfingstgottesdienst auf dem Marktplatz: Gemeinsame Feier unter offenem Himmel, musikalisch begleitet von den Chören der Stadt.
Historische Kirchen als lebendige Kulturorte
Die fünf großen Altstadtkirchen – St. Marien, St. Petri, St. Jakobi, der Dom und St. Aegidien – bilden das steinige Rückgrat der Stadt. Doch ihre Bedeutung endet nicht in der eindrucksvollen Bausubstanz. Jede einzelne dieser Kirchen besitzt in den zurückliegenden Jahrzehnten ein eigenständiges kulturelles Profil aufgebaut, das weit über den sonntäglichen Gottesdienst hinausgeht. St. Marien, die Kirche der Bürger und Ratsherren, beherbergt die weltbekannte Totentanzorgel und organisiert regelmäßig Orgelkonzerte, die Musikliebhaber aus allen Teilen Europa begeistern. St. Petri jedoch wurde zu einem Mittelpunkt für moderne Kunst und Wissenschaft transformiert; die Aussichtsplattform auf dem Turm bietet nicht nur einen grandiosen Blick, sondern auch abwechselnde Ausstellungen, die soziale Fragen aus künstlerischer Perspektive beleuchten. Diese Profilierung ist nicht zufällig, sondern das Ergebnis einer absichtlichen kulturpolitischen Strategie, die das Zukunftforum Kultur seit Jahren verfolgt und dokumentiert.
Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für die Umwandlung vom reinen Sakralraum zum lebhaften Kulturzentrum ist die Jakobikirche. Als historische Schifferkirche erhält sie mit der Gedächtniskapelle für die auf See Gebliebenen ein einzigartiges maritimes Erbe. Zugleich hat sie sich als Konzertkirche einen Ruf erworben, in der sowohl alte Musik auf historischen Instrumenten wie auch experimentelle Klanginstallationen ertönen. Die restaurierte Führer-Orgel und die beiden kleineren Instrumente erlauben ein Klangspektrum, das von barocker Pracht bis zu avantgardistischen Kompositionen reicht. Diese Symbiose aus liturgischer Nutzung und öffentlichem Kulturprogramm ist typisch für den Lübecker Weg. Sie demonstriert, dass Kirchen keine geschlossenen Gesellschaften sind, sondern offene Orte, die auf der Höhe der Zeit handeln. Wer sich darauf einlässt, entdeckt Räume, in denen Stille und Klang, Gebet und Performance, Tradition und Innovation fruchtbar aufeinandertreffen.
Der Stellenwert der Kirchenmusik im städtischen Leben
Die Lübecker Kirchenmusiktradition geht bis zu den großen Kantoren der Hansezeit zurück, allen voran Dietrich Buxtehude, der im 17. Jahrhundert an St. Marien arbeitete und die berühmten Abendmusiken ins Leben rief. Diese Konzertreihe war ein gesellschaftliches Ereignis ersten Ranges, das Kaufleute, Handwerker und Reisende gleichermaßen faszinierte. Heute knüpfen die Kantorate aller Hauptkirchen bewusst an dieses Erbe an, ohne in der Vergangenheit zu bleiben. Regelmäßige Orgelvespern, Kantatengottesdienste und die sommerliche Reihe „Orgelpunkt“ gestalten geistliche Musik zu einem festen Bestandteil des kulturellen Kalenders. Besonders bemerkenswert ist die Ausbildung junger Musikerinnen und Musiker: Der Lübecker Knabenkantorei und der Mädchenkantorei fällt es, Kinder und Jugendliche nicht nur stimmlich zu fördern, sondern ihnen auch einen tiefen Zugang zur spirituellen Dimension der Musik zu schaffen. So bleibt die Kirchenmusik ein lebendiger Dialog zwischen den Generationen und ein wichtiger Impulsgeber für die gesamte städtische Kulturszene.
FAQ
Was für religiösen Gebäude sind in der Hansestadt Lübeck besonders bemerkenswert?
An erster Stelle stehen die fünf gotischen Hauptkirche: St. Marien mit der Totentanzorgel, das Dom mit dem beeindruckenden Triumphkreuz, St. Petri mit der Aussichtsplattform sowie Wechselausstellungen, St. Jakobi als die Seefahrerkirche und St. Aegidien als Quartierkirche mit lebendigen Gemeindearbeit. Auch die katholische Propsteikirche Herz Jesu sowie die Synagoge in der St.-Annen-Straße stellen baulich wie auch spirituell eine Besichtigung wert. Die russisch-orthodoxe Gemeinde begeht ihre Gottesdienste in einem schlichten, aber eindrucksvollen Raum in der Altstadt.
Existieren interreligiöse Events, bei denen Besucher teilnehmen können?
Ja, die jährliche „Nacht der offenen Gotteshäuser“ im September ist einen Höhepunkt dar. Dabei öffnen Synagoge, Moscheen und Kirchen zur gleichen Zeit ihre Türen und bieten Führungen, Musik sowie kulinarische Proben. Auch das interreligiöse Friedenscamp im Sommer heißt Gäste herzlich willkommen, die sich über die entstandenen Kunstprojekte informieren wollen. Zahlreiche Moscheegemeinden bieten zum Fastenbrechen im Ramadan ein; die Termine werden über die lokale Presse sowie die Websites der Gemeinden bekannt gegeben.
Wie kann ich mich ehrenamtlich in der religiösen Kulturszene Lübecks einbringen?
Die Kirchgemeinden und das Zukunftforum Kultur stellen mannigfaltige Möglichkeiten: vom Besuchsdienst über die Mithilfe bei Konzerten und Ausstellungen bis zur Ausbildung zum Kulturlotsen. Interessierte können, sich direkt an die Pfarrbüros der Gemeinden zu wenden oder die Ehrenamtsbörse des Kirchenkreises zu nutzen. Der Qualifizierungskurs „Kulturlotsen“ der Volkshochschule übermittelt kunsthistorisches Wissen und kommunikative Kompetenzen für die Führung von Besuchergruppen.
Befinden sich die Lübecker Kirchen auch außerhalb der Gottesdienste zugänglich?
Grundsätzlich ja. Die meisten Kirchen sind tagsüber für Besucher geöffnet, allerdings mögen die Zeiten je nach Gemeinde, Jahreszeit und anstehenden Veranstaltungen variieren. St. Marien und der Dom haben in der Regel die längsten Öffnungszeiten. Es empfiehlt sich, vor einem Besuch die aktuellen Hinweise auf den Websites der Gemeinden zu prüfen. Während der Gottesdienste und bei Sonderveranstaltungen können touristische Besichtigungen eingeschränkt sein.
Welche Bedeutung spielt die Kirchenmusik im Kulturleben der Stadt?
Eine zentrale Rolle. Die Lübecker Kirchenmusiktradition reicht bis zu Dietrich Buxtehude zurück und ist heute mit Orgelkonzerten, Kantatengottesdiensten und der Reihe „Orgelpunkt“ aktiv wie nie. Die Knaben- und Mädchenkantorei schulen junge Stimmen aus, und die historischen Orgeln bringen internationale Künstler an. Die Kirchenmusik ist ein leichter Zugang zu spirituellen Räumen und erzielt ein Publikum weit über die Kerngemeinden hinaus.
Welche Aspekte macht das UNESCO-Welterbe in Lübeck aus spiritueller Sicht besonders?
Die Altstadt ist ein außergewöhnliches Beispiel für die Kombination von bürgerlicher Macht und tiefer Frömmigkeit im Mittelalter. Die sieben Kirchtürme formen die Silhouette und beweisen von einer Stadt, die ihren Reichtum bewusst in sakrale Baukunst investierte. Die Backsteingotik setzte Maßstäbe im gesamten Ostseeraum. Heute ist es, diese Bauten als lebendige Orte des Glaubens und der Kultur zu erhalten – eine Aufgabe, der sich das Zukunftforum Kultur vorrangig widmet.